Rund 150 Beschäftigte aus der Kautschuk-Branche gingen am Mittwoch, 14. Mai, in Harburg auf die Straße, um ihren Unmut kundzutun – und den Druck auf die Arbeitgeberseite zu erhöhen. Damit folgten sie einem Aufruf der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE). Während der aktuellen Tarifverhandlungen in der Kautschuk-Industrie hatten die Arbeitgeber der deutschen Kautschukindustrie (ADK) ein Angebot vorgelegt, das die IGBCE entschieden ablehnt. Unterstützung in Harburg gab es von der Verhandlungsführerin der IGBCE, Katharina Stihler.

„Die Arbeitgeber müssen es auch in der Tarifrunde zeigen, wenn sie gute Arbeitgeber sein möchten. Klar ist: Bislang haben sie nichts vorgelegt, um uns entgegen zu kommen. Die Kolleginnen und Kollegen der Vibracoustic und der Phoenix sind heute zusammengekommen, um den Arbeitgebern klar und deutlich zu sagen: ‚Das ist nicht genug!“, sagte Stihler.

Der Demonstrationszug startete vor den Toren der PHOENIX Compounding Technology GmbH und führte zum Werk der Vibracoustic SE & Co. KG. Die Beschäftigten beider Unternehmen sind von den aktuellen Tarifverhandlungen betroffen.

In der ersten Verhandlungsrunde Ende April bot die ADK eine Erhöhung der Entgelte um insgesamt 90 Euro in zwei Stufen bei einer Laufzeit von 25 Monaten. Weit entfernt von der Forderung der IGBCE: Die Gewerkschaft strebt eine Entgelterhöhung um 6,7 Prozent, eine Steigerung der Auszubildendenvergütungen, einen Mitglieder-Bonus sowie eine Steigerung der Attraktivität der Schichtarbeit an. Weiterhin soll die Laufzeit des Tarifvertrags 12 Monate betragen.

Olaf Wüpperling, Betriebsratsvorsitzender Vibracoustic und Mitglied der Bundestarifkommission: „Ohne Kautschuk keine Bewegung, weder im öffentlichen Nah- und Fernverkehr noch im Individualverkehr auf der Straße, ohne Kautschuk steht das Land still! Unsere Forderungen nach 6,7 Prozent Entgelterhöhung wurden bislang überhaupt nicht mit der gebotenen Ernsthaftigkeit von der Arbeitgeberseite behandelt. Allen Beteiligten ist die aktuelle wirtschaftliche Situation und vor allem auch die Leistungsfähigkeit der Kautschukindustrie klar. Unsere Forderungen nach einer fairen und gerechten Teilhabe sind nicht überzogen, ganz im Gegenteil, und ich bin mir sicher: Unsere Verhandlungspartner auf der anderen Seite – insbesondere von der Conti und der Vibracoustic wissen das ganz genau, auch wenn sie das Gegenteil behaupten.“

Neben der der PHOENIX Compounding Technology GmbH und der Vibracoustic SE & Co. KG sind die CARLISLE Construction Materials GmbH, die Freudenberg Sealing Technologies GmbH, die Hanseatic Elastomer Components GmbH, die Otto Krahn Group GmbH, die MAPA GmbH Gummi- und Plastikwerke und die New York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie AG im IGBCE-Bezirk Hamburg/Harburg von der Tarifrunde betroffen. Insgesamt stellen die Betriebe ca. 4.000 Beschäftigte.

Bundesweit arbeiten 70.000 Menschen in der Kautschukbranche, rund die Hälfte davon in der Auto- und Autozuliefererindustrie.

Die zweite Verhandlungsrunde findet am 20. Mai in Leipzig statt.